Der Ansatz

Richtig spielen lernen

Aller Anfang ist schwer

Der Ansatz (Embouchure) ist einer der wichtigsten und zugleich anspruchsvollsten Aspekte des Quenaspiels. Anders als bei einer Blockflöte gibt es kein Mundstück, das den Luftstrom führt. Stattdessen muss der Spieler den Luftstrahl selbst so formen, dass er präzise auf die Blaskante der Quena trifft. Gerade Anfänger benötigen häufig einige Tage oder Wochen, bis sie einen stabilen und klaren Ton erzeugen können.


Die Grundhaltung

Die Quena wird leicht schräg nach unten gehalten. Die obere Kante des Instruments liegt sanft an der Unterlippe an, während sich die Kerbe (Notch) mittig unter der Oberlippe befindet.


  • Die Lippen bleiben entspannt.
  • Die Flöte wird nicht fest gegen den Mund gedrückt.
  • Der Kopf bleibt aufrecht und locker.
  • Schultern und Nacken sollten möglichst entspannt sein.

Der Luftstrahl

Der Ton entsteht, indem der Luftstrahl exakt auf die gegenüberliegende scharfe Blaskante der Kerbe trifft. Bereits kleinste Veränderungen des Luftwinkels beeinflussen den Klang deutlich.


Ein guter Luftstrahl ist:

  • schmal,
  • konzentriert,
  • gleichmäßig und
  • nicht zu kräftig.

Die Lippen

Die Lippen bilden eine kleine, entspannte Öffnung. Die Unterlippe trägt die Quena, während die Oberlippe den Luftstrahl formt.


  • Die Lippen nicht zusammenpressen.
  • Keine übertriebene Lippenrundung.
  • Den Mund eher locker und natürlich halten.

Der richtige Winkel

Jeder Spieler entwickelt im Laufe der Zeit seinen persönlichen optimalen Blaswinkel. Meist liegt dieser zwischen etwa 35 und 45 Grad zur Instrumentenachse. Kleine Veränderungen der Kopfhaltung oder der Instrumentenposition reichen oft aus, um den Klang deutlich zu verbessern.


Der Luftdruck

Einer der häufigsten Anfängerfehler besteht darin, zu kräftig zu blasen. Ein schöner Quenaton entsteht nicht durch viel Luft, sondern durch einen präzise geführten Luftstrahl. Mit zunehmender Übung lässt sich der Luftdruck der jeweiligen Tonhöhe und Lautstärke anpassen.


Der Klang

Ein gut entwickelter Ansatz erzeugt einen Ton, der:

  • warm,
  • voll,
  • tragfähig und
  • obertonreich klingt.

Ist der Luftstrahl nicht optimal ausgerichtet, klingt der Ton oft luftig oder rau und verliert an Stabilität.


Die zweite Oktave

Für höhere Töne genügt es nicht, einfach stärker zu blasen. Gleichzeitig wird der Luftstrahl schmaler, der Blaswinkel etwas steiler und der Luftdruck leicht erhöht. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht einen sauberen Wechsel in die zweite Oktave.


Häufige Anfängerfehler

  • Zu kräftiges Blasen.
  • Eine zu große Lippenöffnung.
  • Zu viel Druck der Flöte gegen die Lippen.
  • Übermäßige Bewegungen von Kopf oder Instrument.
  • Verspannte Schultern und Gesichtsmuskulatur.
  • Ungeduld – der Ansatz entwickelt sich nur durch regelmäßiges Üben.

Übungen für einen sicheren Ansatz

  • Die Quena ansetzen und einen einzelnen Ton möglichst ruhig halten.
  • Den Blaswinkel vorsichtig verändern und den Punkt mit dem schönsten Klang finden.
  • Den Ton 10 bis 20 Sekunden gleichmäßig halten.
  • Zwischen leisem und etwas kräftigerem Blasen wechseln, ohne dass der Ton abreißt.
  • Erst danach einfache Tonleitern und kurze Melodien spielen.

Praktischer Hinweis

Viele erfahrene Quenaspieler beschreiben den Ansatz mit einem einfachen Bild: Man bläst nicht in die Flöte hinein, sondern über ihre Blaskante hinweg. Der Ton entsteht genau dort, wo der Luftstrahl auf die scharfe Kante der Kerbe trifft. Hat man diesen Punkt gefunden, wird der Klang stabil, klar und ausdrucksstark.


Tipp: Bereits 10 bis 15 Minuten konzentriertes Üben pro Tag führen meist schneller zu einem sicheren Ansatz als lange, ermüdende Übungseinheiten. Regelmäßigkeit ist beim Erlernen der Quena wichtiger als die Dauer des Übens.

Gutes Video zum Ansatz auf Englisch: Auf YouTube ansehen

Peruaner mit Quena